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Wann ist Kaffee röstfrisch?

Gerne wird mit röstfrischem Kaffee geworben. Schöne Bilder suggerieren uns dabei, dass der Kaffee quasi direkt vom Röstofen ins Packerl geflutscht ist und bereits am nächsten Morgen von einem wohlwollenden Familienmitglied liebevoll für uns aufgebrüht wird. Wieder andere meinen, dass Kaffee ewig hält und die Frische dabei keine wesentliche Rolle spielt. Mehr noch, dass frischer Kaffee logistisch gar nicht möglich und auch nicht notwendig ist. Wir haben mit dem Kaffeeexperten und Leiter des Vienna Coffee College Michael Haller gesprochen und einmal nachgefragt, wie das denn so ist, mit röstfrischem Kaffee.

Kaffee richtig lagern

Haller – der das Für und Wider rund um die Frische von Kaffee kennt: „Kaffee ist, wie jedes Lebensmittel, anfällig für Beeinträchtigungen. Beispielsweise wenn Kaffee falsch gelagert wird, kann das enorme Auswirkungen auf den Geschmack haben.“ Siehe dazu auch: Warum wir Kaffeemühlen beinahe noch lieber verkaufen als Kaffee.

Zu frisch gerösteter Kaffee schmeckt „gasig“

Haller: „Am besten schmecken Arabicas, meiner Meinung nach, fünf bis sechs Wochen nach der Röstung. Denn wenn der Kaffee zu „jung“ ist, kann er ‚gasig/säuerlich‘ schmecken. Es gibt aber auch Kaffeesorten, die nur ein paar Tage zum Ausgasen brauchen, damit ein Teil des Kohlendioxid entweichen kann.“ Als Faustregel gilt aber, dass Kaffee bis drei Monaten ab Röstdatum seine Blütezeit hat. Dann macht er auch eine schöne Crema. Denn während Kohlendioxid für die Crema hauptverantwortlich ist, zerstören die (unter anderem) für den Geschmack verantwortlichen Kaffeeöle, die Crema. „Da Robustabohnen von Haus aus weniger Kaffeeöle haben als Arabicas gelten sie als unempfindlicher was die Haltbarkeit und Lagerung betrifft“, so Haller. 

Röstfrischen Kaffee erkennen

Danach beginnt Kaffee abzubauen. Ab dem sechsten Monat gilt Kaffee für Michael Haller bereits als „mausetot“ und entwickelt einen modrigen und abgestandenen Geschmack. Wie kann das sein, wo doch industriell hergestellte Kaffees ein Haltbarkeitsdatum von 1,5 bis zwei Jahren (!) aufweisen? Haller: „Eigentlich nur durch die Beimischung von Robusta-Bohnen. Denn Robustas halten, wie bereits erwähnt, länger eine stabile Crema und beinhalten zudem weniger Kaffeeöle, die ranzig werden könnten.“ Würde man jedoch aus logistischen Gründen reine Robusta-Kaffees produzieren, hätte das sowohl geschmackliche als auch gesundheitliche Konsequenzen. Robustas gelten im Vergleich zu den vielfältigen und vollmundigen Arabicas als weniger geschmacksintensiv. Zudem haben sie den Nachteil, dass sie fast doppelt so viele Chlorogensäuren enthalten wie die Arabicabohne. Diese Säuren wirken sich (je nach Röstverfahren) bei häufigerem Konsum negativ auf den Magen aus.

Kaffee mit Röstdatum

Unser Tipp: Kaufen Sie bei kleinen Kaffeerösterei, die im Gegensatz zu den großen Firmen das Röstdatum zusätzlich zum Haltbarkeitsdatum auf der Verpackung angeben. Hier wird meist täglich direkt im Geschäft, in kleinen Chargen geröstet. Wer keine Rösterei in seiner Nähe hat, nutzt die Möglichkeit Kaffee online zu bestellen.

Anmerkung: Es muss nicht immer Amazon sein. Auch ein Paket, das sich tagesfrisch von einer Kleinrösterei aus auf den Weg zu Ihnen macht, kommt pünktlich an. Der Bote ist meist derselbe, der qualitative Unterschied ein gänzlich anderer. 

Ihre Rösterei mitten in Wien

Wir vom Wiener Rösthaus sind so eine Kleinrösterei, die mit hoher Qualität und Röstfrische punktet. Inhaberin, Röstmeisterin und Kaffee-Sommelier Silvia Maino kennt ihre Lieferanten persönlich. Sie kauft  nur hochwertige Kaffees aus 100 % Arabica-Bohnen. Diese röstet sie sorgfältig nach „Wiener Tradition“. "Unsere Geschäfte in der Tigergasse 33 und im Wiener Prater – wo auch der Röstofen steht – erinnern bewusst an Kolonialwaren-Läden. Hier können Sie in gemütlicher Atmosphäre zwei der wöchentlich wechselnden Kaffeesorten verkosten und sich mit Süßigkeiten, Kaffeezubehör, Geschenkartikeln und natürlich Kaffee eindecken. Bei Ihrem Einkauf werden Sie bestens darüber beraten, welcher unserer röstfrischen Kaffees sich für welchen Geschmack und welche Zubereitung eignet", so Maino. 

Im Prater gibt es zudem eine märchenhaft schöne Terrasse und gleich nebenan, direkt beim Röstofen, können Sie die Kurse vom Vienna Coffee College besuchen. 

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